Eine Zentralbank erhöht die Zinsen. Was bedeutet das für die Schweiz?
Wenn die Europäische Zentralbank EZB die Zinsen erhöht, sorgt das für Schlagzeilen. Viele fragen sich dann, was das für ihr Erspartes, für ihre Anlagen und für die eigene Hypothek bedeutet. Hier die ruhige Einordnung.
Warum eine Notenbank die Zinsen erhöht
Eine Notenbank wie die EZB erhöht die Zinsen vor allem, um die Inflation zu bremsen. Höhere Zinsen machen Kredite teurer und dämpfen die Nachfrage. Das wirkt dem Preisanstieg entgegen. Sinkt die Inflation wieder, kann die Notenbank die Zinsen später erneut senken. Solche Zyklen wiederholen sich.
Was das für Anlagen bedeutet
Steigende Zinsen wirken in zwei Richtungen. Neue Obligationen werfen wieder höhere Coupons bzw. Zinsen ab, was für Sparende grundsätzlich gut ist. Gleichzeitig verlieren bereits ausgegebene Obligationen an Wert, weil ihre tieferen Coupons im Vergleich unattraktiver werden. Wer beispielsweise in Fonds mit einem hohen Anteil an Obligationen investiert ist, muss mit sinkenden Kursen rechnen.
Für Aktien und andere Risikoanlagen ist ein steigendes Zinsumfeld oft anspruchsvoller, vor allem wenn gleichzeitig das Wachstum schwächelt. Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger kommt das Währungsrisiko dazu. Eine Anlage in Euro oder Dollar kann an Wert gewinnen und in Franken gerechnet trotzdem weniger einbringen, wenn die Fremdwährung gegenüber dem Franken nachgibt. Dieses Risiko lässt sich absichern, die Absicherung kostet aber mehr, je grösser der Zinsunterschied zwischen den Währungen ist.
Wie die Schweiz betroffen ist
Wichtig zuerst. Die EZB legt nicht die Schweizer Zinsen fest. Das macht die Schweizerische Nationalbank, und sie entscheidet eigenständig. Die Schweiz hat oft eine andere Ausgangslage als der Euroraum, meist mit tieferer Inflation. Die SNB folgt der EZB darum nicht einfach.
Am deutlichsten zeigt sich ein Zinsunterschied beim Wechselkurs. Höhere Zinsen im Ausland machen die jeweilige Währung für Anleger attraktiver. In unsicheren Zeiten flüchten viele aber in den Franken, was ihn stärkt. Ein starker Franken verbilligt Importe und hält die Teuerung in der Schweiz tief. Für die Exportwirtschaft ist er dagegen eine Herausforderung.
Werden die Hypotheken steigen?
Die ehrliche Antwort lautet, dass Schweizer Hypotheken nicht automatisch und nicht direkt wegen der EZB steigen. Sie hängen an der SNB und am Schweizer Kapitalmarkt, nicht am Entscheid in Frankfurt.
Geldmarkthypotheken auf SARON-Basis folgen dem Leitzins der SNB. Sie verändern sich erst, wenn die SNB ihren Leitzins anpasst. Festhypotheken richten sich nach den längerfristigen Zinsen am Kapitalmarkt. Steigen diese, werden Festhypotheken teurer.
Ein Zinsschritt der EZB kann die Schweizer Kapitalmarktzinsen leicht beeinflussen. Ein direkter und automatischer Anstieg der Hypotheken folgt daraus aber nicht. Ob eine SARON-Hypothek oder eine Festhypothek besser passt, hängt von der persönlichen Situation und vom Zeithorizont ab.
Mit Klarheit gelassen bleiben
Wer Klarheit über die eigenen Finanzen hat, kann solche Nachrichten ruhig einordnen. Eine durchdachte, langfristige Planung trägt über einzelne Zinsentscheide hinweg. Solche Änderungen dürften dann keinen grossen Einfluss auf die langfristige Planung haben.
Wer diese Klarheit noch nicht hat, kann sie nachholen.


